"Manchmal bin ich so traurig"

ISBN: 978-3-384-8105-95

erschienen im Tredition Verlag, Paperback und E-Book

Bestellung über alle Buchhandlungen

oder bei mir: hwd@hwd2000.de

"Manchmal bin ich so traurig"

Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben nur Licht kann das.
Hass kann Hass nicht vertreiben nur Liebe kann das.

Martin Luther King

"Ich habe vier Kinder in die Welt gesetzt – und keinem meiner Kinder habe ich je Schmerzen zugefügt! Ich bin stolz darauf, dass ich NICHT so geworden bin wie Du!

Aber seit einiger Zeit kommt das Versteckte manchmal in mir hoch. Dann bin ich so unendlich traurig und habe das Gefühl, dass das ganze Leid der Welt, alle Grausamkeiten und alles von Menschen verursachte Unrecht wie eine riesige Last auf meinen Schultern liegen. Wo sie doch eigentlich auf Deinen liegen sollte. Ich muss dann aufpassen, dass ich nicht doch noch an dem ganzen Mist zerbreche.

Und immer wieder diese furchtbare Angst! Diese furchtbare Angst, dass Du Deine Dämonen an mich weitergegeben haben könntest. Dass diese Dämonen vielleicht tief in mir schlummern könnten und nur darauf warten, an die Oberfläche kommen zu können, würde ich meinen Kampf gegen sie je verlieren.

Dafür verfluche ich Dich und hoffentlich schmorst Du in der Hölle!

Dein (Dich leider vermutlich immer noch liebender) Sohn.“

-------------------------------------------------------------------------

Ich bin gerne am Meer.

Gar nicht mal so sehr im oder auf dem Meer, nein, einfach nur am Meer. Ich liebe es, den Wellen zuzuschauen und ihnen zu lauschen. Keine ist wie die andere und doch beruhigen mich ihre Gleichmäßigkeit und die Sicherheit ihrer Wiederkehr. Sie können klein, flach und ruhig daherkommen, aber auch groß, hoch und gewaltig! Aber auf jeden Fall kommen sie immer wieder und wieder. Das gibt mir Sicherheit und die Gewissheit, dass alles lebt, dass sich alles bewegt und letztlich vielleicht doch noch alles gut wird.

Ich rede dabei natürlich von einem „richtigen“ Meer! Nicht vom Mittelmeer, das ich (alle Liebhaber dieser Gegend mögen es mir verzeihen) immer nur als eine große, warme Pissbrühe empfunden habe. Oder auch nicht von der Ostsee, die ja eigentlich nur ein übrig gebliebener Brackwassersee der Gletscher ist. Es mag sein, dass ich diesen Gewässern Unrecht tue, aber so ist eben mein Empfinden. Obwohl ich mittlerweile tatsächlich auch an diesen Gewässern die ein oder andere „nette“ Stelle kennengelernt habe.

Nein, ich rede von den großen Meeren und Ozeanen, vom Indischen Ozean, von den arktischen Ozeanen, vom Pazifik oder vom Atlantik.

---------------------------------------------------------------------

Immer noch die Leuchtspur der am Bumerang befestigten Wunderkerze vor Augen, driftete ich in meinen Gedanken weg. Das passiert mir immer mal wieder, dass ich mich im Meer verliere, genauso wie man sich in den Flammen eines Feuers verlieren kann.

Aber dieses Mal war es irgendwie anders. Ich konnte mich überhaupt nicht halten, schlidderte immer mehr weg. Am Horizont tauchte ein langes, schwarzes Etwas auf, zuerst nur wie ein Strich, aber, je näher das Etwas kam, immer größer werdend und bedrohlicher. Es kam rasend schnell auf mich zu, bäumte sich wie ein riesiger schwarzer Tsunami vor mir auf und raste schließlich gewaltig über mich hinweg.

Was blieb, war so etwas wie ein Zwielicht, in dem ich alles nur noch schemenhaft erkennen konnte. Alles war praktisch nur noch grau, jegliche Farbe schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Das Rauschen der Wellen, das ich doch so sehr liebte, war nur noch entfernt zu hören und wirkte eher wie das langsame Blubbern eines Schlamm-Pools in einem vulkanischen Gebiet.

Und eine tiefe Traurigkeit legte sich über mich, wie eine schwere, schmutzige Decke.

----------------------------------------------------------------

Ich schlug meine Hände auf meine Ohren:

„Hör auf! Hör auf, ich will das nicht hören!!!“

Mir wurde schlecht und ansatzlos musste ich mich übergeben.

„Du brauchst das auch nicht zu hören, Du weißt es doch eigentlich auch! Ich bin Du und Du bist ich. Du weißt es auch.
Wie er sich fast Nacht für Nacht neben Dich ans Bett setzte. Dass Du genau wusstest, was nun kam. Dass Du trotzdem versuchtest, ihn anzulächeln. Dass Du versuchtest, ihn auf irgendeine Weise abzulenken, aber doch wusstest, dass das nicht funktionieren würde. Dass Du Dich dann zwingen musstest, die Augen zu schließen, um Dich in eine Traumwelt zu flüchten, in der Du einen anderen Vater hattest, eine andere Mutter, ein anderes Leben – was Dir aber nicht immer gelang. Dass Du manchmal vor Schmerz und Ekel fast ohnmächtig wurdest. Und dass Du danach oft seine Tränen spürtest und seine Entschuldigungen hörtest und Du deshalb jedes Mal hofftest, es wäre das letzte Mal, aber gleichzeitig wusstest, dass es das nicht sein würde.“

Mein anderes Ich machte eine lange Pause und sagte dann:

„Das alles weißt Du doch!“

Plötzlich waren die Erinnerungen da!

Die Bilder der Erinnerungen prasselten auf mich herab und jedes dieser Bilder bestand nur aus Schmerzen und Angst. Woher kamen diese Erinnerungen auf einmal? Warum jetzt?

Eigentlich wusste ich die Antworten darauf fast zeitgleich mit den Fragen. Anscheinend hatte ich das alles tief in mir vergraben, die ganzen Erinnerungen, die ganzen Schmerzen, die ganze Angst. Im hintersten Winkel meiner Seele. Einfach weg. Hinter einer dicken Eichentür weggeschlossen. Vermutlich hätte ich sonst bis zu diesem Zeitpunkt nicht überlebt, wäre ich nicht lebensfähig gewesen. Ich wäre ein seelisches Wrack geworden, vielleicht auch so ein Monster, wie mein Vater eines war.

Aber irgendwann müssen diese ganzen verborgenen Erinnerungen wohl doch heraus. Sonst fressen sie dir große Löcher in deine Seele. Und dann stirbst du trotzdem noch an dem ganzen Mist.

Vielleicht hatten mein Weltschmerz, meine Trauer und Wut über die vielen Ungerechtigkeiten auf der Welt, mein Hass auf das Monster Mensch, vielleicht hatte all das die letzten Schutzmauern um meine Seele herum bersten lassen.

Während nun mir die Tränen über mein immer noch vor Scham gerötetes Gesicht liefen, schaute ich mit einem Blick der Erkenntnis mein anderes Ich an, blickte ihm in die Augen. Und mein anderes Ich antwortete mit sanfter Stimme auf meinen Blick:

„Siehst Du, ich wusste es doch“. Mein anderes Ich machte eine kleine Pause: „Und dann fragst Du mich allen Ernstes, wieso wir so traurig sind, wieso wir plötzlich diese nicht fassbare, furchtbare Angst haben und wieso wir diese unendliche Scham empfinden?“

Der zähe Gelee, in dem wir uns befanden, wurde noch zäher, noch grauer, noch dunkler.

Das Letzte, was ich in den großen schwarzen Augen meines anderen Ichs sah, war ein kleiner Junge, der einsam und verlassen weinend auf seinem Bett saß.

Dann wurde ich ohnmächtig.

---------------------------------------------------------------------

Dort scheint mein Vater zum ersten Mal von seinen Dämonen übermannt worden zu sein. Im Dorf ging schnell das Gerücht herum, er habe sich nackt einigen Kindern gezeigt und dabei onaniert. Und einige andere Väter waren dann wohl auch bei uns zu Hause aufgetaucht, um meinem Vater unmissverständlich zu zeigen, was sie davon hielten. Ich weiß nicht sicher, was daran wahr ist oder nicht, außer das, was meine Mutter und meine Tante später immer mal wieder durch die Blume angedeutet haben.

Tatsache war auf jeden Fall, diese Gerüchte hielten sich so hartnäckig, dass meine Eltern schließlich wieder wegziehen mussten, zurück nach Birkesdorf. Dort mussten wir einige Monate bei meinen Großeltern wohnen, bevor meine Eltern ein paar hundert Meter weiter in der nächsten Straße ein kleines Haus kaufen konnten.

Wir wohnten nun in Birkesdorf, Kreuzstr. 21.

In diesem Haus wurde mein Vater endgültig von seinen Dämonen übermannt und ich schließlich zum „Kollateralschaden“ dieses verlorenen Kampfes! Unser ganz persönliches „Dantes Inferno“ in dem mein Vater sich bei jedem Ring stückchenweise immer mehr verloren hat. Bis hin zum Verrat.

Ja, letztendlich hat er mich an seine Dämonen verraten.

Ich war 5 Jahre alt!

--------------------------------------------------------------------

Es tat furchtbar weh und manchmal blutete ich auch. Mein Vater wischte mich dann hinterher mit einem der Handtücher ab, die er immer von der Arbeit mitbrachte und später wieder mit zurücknahm. Vermutlich wollte er so vermeiden, dass Sperma und Blut jemandem auffallen konnten, denn in der Wäscherei der Klinik interessierte das bei den Hunderten von Handtüchern niemanden. Weiße Handtücher mit einem braunen oder grauen Streifen, auf dem „LVR Klinik“ stand. Manche waren schon ziemlich hart vom vielen Waschen und Trocknen, manche auch bereits ordentlich zerrissen. Seltsamerweise erinnere ich mich noch ganz besonders genau an diese Handtücher und weiß bis heute noch, wie die aussahen oder sich anfühlten.

Der Schmerz und das Blut waren die eine Sache, aber hauptsächlich schämte ich mich. Ich wusste nicht wieso, aber ich schämte mich so sehr und um so viel mehr, als bei allem anderen. Ich nehme an, dass dies wohl das höchste Maß an Erniedrigung ist, was man einem Menschen in dieser Hinsicht antun kann.

Das war es, glaube ich. Ich kam mir erniedrigt vor. Erniedrigt und vor allem von allen verraten. Wir hatten den 9. Ring von Dantes Inferno erreicht.

Mein Vater war wie von Sinnen, ich glaube, er dachte gar nicht darüber nach, was er mir da antat. Ich glaube, er nahm mich als Mensch oder Person überhaupt nicht mehr wahr, zumindest während des Missbrauchs. Und wenn, dann hat er es vermutlich einfach auf die Seite geschoben und ignoriert. Wie ein Alkoholiker, der immer eine plausible Erklärung für seine nächste Flasche findet. Überhaupt verhielt er sich, wie viele Suchtkranke, Alkohol- oder Drogenabhängige, die immer einen größeren Trip benötigen, um noch den nötigen Kick oder die nötige Befriedigung zu bekommen. Und die sich das Nötige dazu ohne Rücksicht auf Verluste beschaffen. Auch wenn sie dadurch in der untersten Gosse landen.

Die Tränen und die Entschuldigungen wurden auch immer weniger und verschwanden schließlich ganz. Letztlich ging er meist nur noch wortlos aus dem Zimmer.

-------------------------------------------------------------------------

Schließlich war ich als Letzter an der Reihe. Ich kletterte auf die Schienen und legte mich hin, um mein Ohr daraufzulegen. Ich spürte bereits die Vibrationen und das Rattern des Ungetüms. Mir wurde da schon schlecht vor Angst. Ich hatte keine große Hoffnung, dass ich die Mutprobe wirklich bestehen könnte.

Erfahrungsgemäß würde es jetzt nur noch einige wenige Minuten dauern, bis die Lok angedonnert käme. Ich stand wieder auf und wollte schon mal nach unten klettern, als mich plötzlich ein ganz seltsames Gefühl befiel. Was wäre denn, wenn ich nun einen Unfall hätte und die Lok würde mich überrollen? Wäre das wirklich so schlimm? Mit einem Mal hatte ich die vielen furchtbaren Nächte vor Augen. Ich spürte, wie mich die Angst, die Schmerzen, die Scham, die Hilflosigkeit übermannte. War das wirklich so schlimm, da jetzt einfach stehenzubleiben? Ein kurzer, heftiger Schmerz und alles wäre vorbei. Nie wieder müsste ich meinen Vater ertragen. Und wie würde es meinem Vater damit gehen? Würde er um mich weinen? Würde er sich Vorwürfe machen und sich vor Schmerzen so winden, wie ich das in vielen Nächten machte? Könnte ich ihm so richtig eins auswischen?

Ich starrte auf die Schienen vor mir, auf die Stelle, wo die beiden Eisenlinien am Horizont zusammenliefen. In der Ferne konnte ich schon die dicken weißen Wolken der Dampflock erkennen. Das Dröhnen wurde auch schon immer lauter. Ich starrte nur geradeaus und wollte einfach nur stehen bleiben.

----------------------------------------------------------------------

Mitte 1970 übernahmen meine Eltern die Kneipe „Im Anker“, die sich in derselben Straße befand, im Eckhaus schräg gegenüber. Und nach kurzer Zeit zogen wir von dem Haus Kreuzstr. 21 in die Wohnung über der Kneipe.

So unspektakulär und der Situation vollkommen unangemessen das auch erscheinen mag, mit diesem Umzug hörte mein Leiden auf! Von einem Tag auf den anderen auf. Einfach so. Als hätte man einen Schalter umgelegt. Als wäre das Ganze nie passiert, als wäre das alles nur ein Albtraum gewesen.

Und ich weiß nicht, warum.

Vielleicht hatte es rein „praktische“ Gründe, da mein neues Zimmer nur durch das Elternschlafzimmer erreichbar war. Also rein oder raus, immer nur durchs Elternschlafzimmer. Was Heimlichkeiten erheblich erschwert hätte.

Möglicherweise fehlte auch einfach die Zeit. Schließlich ging mein Vater trotz der Kneipe weiter zur Arbeit. Und anschließend musste er abends in die Kneipe, oft bis tief in die Nacht hinein. Da blieb für anderes nicht viel Zeit.

Vielleicht aber hat er sich auch seinen Dämonen gestellt und sie schließlich in einem epischen Kampf besiegt. Vielleicht hat er diesen Schnitt wirklich genutzt, um aufzuhören. Vielleicht sind ihm doch die ganzen Leiden, die er verursacht hat, bewusst geworden. Vielleicht hat er die Strafen in Dantes 9 Kreisen angenommen und ertragen und konnte Satan doch noch entgehen. Und vielleicht war da doch noch ein wenig Liebe übriggeblieben, die ihm den Weg nach oben gezeigt hat.

Ich weiß, das sind wieder eine Menge `vielleicht`. Aber das möchte ich so gerne glauben. Nicht, dass ich ihm deshalb mehr verziehen hätte, nicht, dass das an all dem ganzen Mist etwas geändert hätte. Trotzdem möchte ich es so gerne glauben.

---------------------------------------------------------------------

Irgendwann morgens, an einem Mittwoch im Juli 2020, brach es aus mir heraus. Wochenlang hatte ich, wenn ich alleine war, wie erstarrt auf der Terrasse unseres Gartenhäuschens gesessen. Vor Angst, meinen Dämonen zu nahe zu kommen. Und immer wieder gegrübelt, nach Halt gesucht, nach Punkten, an denen ich mich festhalten und verhindern konnte, endgültig abzustürzen. Aber alles mehr oder weniger ohne Sinn und Verstand, ohne tatsächlich wieder Halt zu finden. Ich schlief schlecht und träumte die furchtbarsten Sachen. Auch von der Zeit in der Kreuzstraße Nr. 21. Und ich träumte auch davon, wieder auf den Schienen vor der Dampflok zu stehen, wie damals als Kind.

An diesem Morgen musste das alles raus. Ich schreckte heftig aus einem düsteren Traum hoch. Meine Frau wurde dadurch natürlich auch wach, und eigentlich wollte ich nur sagen, dass es mir nicht so besonders gut gehe. Aber dann kamen die Tränen und alle Dämme brachen.

„Ich kann das nicht mehr!!!“

Das war der einzige Satz, den ich herausbekam und an den ich mich wirklich klar erinnern kann. Meine Frau merkte sofort, dass irgendetwas ganz und gar nicht so war, wie es hätte sein sollen. Ich glaube, sie hatte auch vorher schon gemerkt, dass es mir nicht gut ging, aber wohl instinktiv gewusst, dass sie warten musste, bis ich selbst etwas sagen würde. Wohl auch deshalb reagierte sie erstaunlich gefasst, ging das Ganze zuerst einmal von der eher pragmatischen Seite an und holte zwei Kaffee für uns.

Dann habe ich nur geredet, von meiner Kindheit, meinem Vater und von der Zeit in der Kreuzstraße Nr. 21. Von meiner Angst vor meinen eigenen Dämonen, von meinen Mühen, ein guter Mensch zu werden und zu sein, von alle dem Dunkel, das mich die Jahre über begleitet hatte.

Sie sagte eigentlich nichts, sie hielt mich nur fest und hörte zu. Und je mehr ich redete, umso mehr merkte ich, wie gut mir das tat. Wie ein Befreiungsschlag.

Ich bin meiner Frau auf ewig dankbar für die Hilfe, die Unterstützung, die Toleranz, das Verständnis und die Liebe in dieser wirklich schwierigen Zeit für uns beide.

---------------------------------------------------------------------

Ob ich meinen Vater gehasst habe? Manchmal ja, besonders natürlich während des Missbrauchs. Manchmal habe ich mir gewünscht, er möge in der Hölle schmoren für das, was er einem Kind, seinem Kind, angetan hat. Ich glaube aber seit geraumer Zeit, dass es dummerweise gar keine Hölle im althergebrachten Sinne gibt. Die einzige reale Hölle ist die, die man sich selbst erbaut und in die man sich selbst begibt. Und ich möchte glauben, dass mein Vater sich sehr lange Zeit dort befunden hat. Lange genug, um wieder einen Weg nach draußen zu finden.

Ob ich Rache wollte? Nicht wirklich. Wie hätte die denn auch aussehen sollen? Hätte ich ihn körperlich verletzen sollen, hätte ich ihm ins Gesicht schlagen sollen. Das entspricht nicht meiner Natur, selbst nach den schlimmsten Ereignissen nicht. Oder hätte ich ihn bloßstellen sollen? Auch das wäre nicht ich. Also kurzum: Rache war irgendwie nie eine Option. Ich bezweifle auch, dass es mir danach wirklich besser gegangen wäre.

Ob ich ihm vergeben kann? Ja! Zumindest möchte ich das. Ich möchte glauben, dass er den Kampf gegen seine Dämonen gewonnen hat und sich der Ausmaße seiner Taten bewusst geworden ist. Dass er irgendwann verstanden und bereut hat, was er mir angetan hat. Vor allem aber hoffe ich, dass meine Vergebung meinen Erinnerungen ein wenig das Furchtbare nimmt. Dass meine Vergebung mir hilft, meinen ganz persönlichen Frieden schließen zu können.

----------------------------------------------------------------------------

Ich bin gerne am Meer.

Gar nicht mal so sehr im Meer oder auf dem Meer, nein, einfach nur am Meer. Ich liebe es, die Weite und die Freiheit zu spüren. Ich liebe es, den Wellen zuzuschauen und ihnen zu lauschen.

Ganz besonders, wenn ich traurig bin!

Dann hoffe ich, dass das Meer mir hilft, meine Seele zu heilen. Mit jeder Welle ein wenig mehr. Als würde ich den Kopf in den Schoß eines mich liebenden Menschen legen, der mir dann zart über den Kopf streicht und mir ins Ohr flüstert, dass am Ende doch noch alles gut werden wird.

So wie bei Zeeman